Nordirland

Nur die Schotten müssen zuschauen, ansonsten ist das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, wie es offiziell heißt, komplett bei der Europameisterschaft in Frankreich vertreten. England und Wales treten dabei in einer Vorrunde gegeneinander an, das deutsche Team bekommt es im dritten Spiel mit Nordirland zu tun. Der irische Verband wurde 1880 gegründet und gehört damit zu den ältesten der Welt, seit der Teilung Irlands 1920 gibt es zwei Verbände. Dem hohen Alter zum Trotz ist dies allerdings die erste Teilnahme Nordirlands an einer Fußball-EM.

Besser lief es für die Nordiren auf der etwas größeren Bühne: 1958, 1982 und 1986 gelang die Qualifikation für eine WM. Der erste blieb der erfolgreichste Auftritt: Unter Kapitän Danny Blanchflower, der in England für Tottenham Hotspur spielte, erreichte Nordirland das Viertelfinale. Der bis heute bekannteste Fußballer Nordirlands war ebenfalls in England tätig, sein Geburtstag jährt sich kurz vor der EM zum 70. Mal, doch an einem großen Turnier hat er nie teilgenommen. Die Rede ist natürlich von George Best. Er spielte zwischen 1964 und 1977 37-mal für Nordirland und erzielte dabei neun Tore.

Im nordirischen Team haben immer wieder Katholiken und Protestanten gemeinsam gespielt, die Qualifikation für die WM 1982, bei der ein Sieg gegen Gastgeber Spanien gelang, fiel in eine Hochphase des Nordirlandkonflikts. Der damalige Kapitän war der Katholik Martin O’Neill, der heute Teamchef der Republik Irland und damit ebenfalls bei der EM vertreten ist. Er soll während seiner internationalen Karriere zahlreiche Hassbriefe loyalistischer protestantischer Fans erhalten haben, ebenso wie Neil Lennon, der um die Jahrtausendwende ein weiterer katholischer Kapitän des nordirischen Teams war. 2002 beendete er nach Morddrohungen seine Laufbahn im Nationalteam.

Qualifikation und Team

Der Mann, mit dem Nordirland erstmals die Qualifikation für ein EM-Turnier gelang, hat einen Teil dazu beigetragen, die Kluft zwischen katholischen und protestantischen Fans zu schließen. Michael O’Neill – nicht verwandt mit seinem irischen Kollegen – ist seit Dezember 2012 im Amt und der erste Katholik auf diesem Posten seit Beginn des Bürgerkriegs Ende der 1960er-Jahre. Sein Team, das aus Spielern besteht, die fast ausschließlich bei englischen und schottischen Klubs unter Vertrag stehen, gewann die Qualifikationsgruppe vor Rumänien und Ungarn.

Das hat die Mannschaft nicht nur dem allseits gelobten Teamspirit und klassischen britischen Kämpferqualitäten zu verdanken, sondern auch einer starken Offensive. Die Nordiren waren mit 16 Treffern auch beim Toreschießen die besten in ihrer Gruppe. Topscorer war Kyle Lafferty. Kapitän des Team ist Southamptons Mittelfeldspieler Steven Davis.
[ns]


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