Marseille: Frankreichs Tor zur Welt

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Panorama Marseille

Zum Halbfinale geht es in die eigentliche Fußball-Hauptstadt Frankreichs, nach Marseille. Hier ist mit Olympique Marseille nicht nur der Klub mit der größten und vielleicht leidenschaftlichsten Fanszene zu Hause, Marseille ist auch die älteste Stadt Frankreichs, die zweitgrößte nach Paris und der wichtigste Hafen des Landes.

Gegründet wurde die Stadt am Mittelmeer vor mehr als 2.500 Jahren, als sich Griechen aus Kleinasien ansiedelten. Bei ihnen und den später hier herrschenden Römern hieß der Ort Massalia bzw. Massilia. Während der Kreuzzüge des Mittelalters erlangte Marseille Bedeutung als Hafenstadt und sollte sie nie wieder verlieren. Die Kontakte in die weite Welt hatten jedoch auch eine Schattenseite: Die Pest soll im 14. Jahrhundert über Marseille nach Europa gekommen sein. In der Stadt selbst starben bei einem späten Ausbruch im 18. Jahrhundert 50.000 Menschen – die Hälfte der damaligen Bevölkerung.

Wechselvolles Image

Der Handel mit Kaffee, Zucker, Kakao und Gewürzen aus den Kolonien machte Marseille groß, im 19. Jahrhundert wuchs die Bedeutung der Stadt weiter. Im Zweiten Weltkrieg wurde Marseille von Deutschen und Italienern und später den Alliierten bombardiert. Deutsche Truppen sprengten 1943 große Teile der Altstadt, die als Zentrum des Widerstands galt.

Marseille profitierte vom Aufschwung nach dem Krieg. Mit der Unabhängigkeit Algeriens 1962 siedelten sich viele Algerienfranzosen in der Stadt an. Doch ab den 1970er-Jahren wuchs nicht so sehr die Stadt, als vielmehr ihre Probleme: Kriminalität, Rassismus, Arbeitslosigkeit und Luftverschmutzung. Diese Zeit prägte ein negatives Bild von Marseille als Hort von Mafiabanden und Korruption.

Heute setzt Marseille auf den Tourismus und das Image einer bunten und weltoffenen Stadt. Für EM-Reisende ist die Stadt eines der attraktivsten Ziele überhaupt. Die gesamte Vielfalt der insgesamt 111 Stadtviertel könnt ihr wohl nicht erkunden, aber den alten Hafen, Keimzelle des ursprünglichen Marseille, werdet ihr sicher besuchen. Die Gegend inklusive der Restaurants ist touristisch, aber dennoch sehenswert. Essen solltet ihr dort natürlich eine Bouillabaisse, gegebenenfalls auch mit frisch gekauftem Fisch selbst kochen.

Nördlich des alten Hafens zieht sich die Altstadt Le Panier in steilen und verwinkelten Gassen den Hang hinauf. Noch etwas weiter nördlich wird seit einigen Jahren das groß angelegte Städtebauprojekt Euroméditerranée verwirklicht. Hier entsteht eine neue „Waterfront“ mit Büros und Wohnungen, Geschäften und Lokalen. Die Gäste für letztere kommen zum Beispiel von den Kreuzfahrtschiffen, die an den kilometerlangen Kais des neuen Hafens anlegen. Wobei „neu“ in diesem Fall bedeutet: von 1844. Das mit öffentlichen Geldern finanzierte Projekt Euroméditerranée hat auch Kritik auf sich gezogen, da die alteingesessene Bevölkerung aus den gentrifizierten Vierteln verdrängt worden ist.

Als rundum gelungen gilt hingegen ein weiteres Prestigeprojekt Marseilles: Das 2013 zum Jahr als Kulturhauptstadt Europas eingeweihte Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée, kurz: MuCEM. Es liegt auf der Verlängerung des alten Hafens direkt am Meer − passenderweise, geht es hier doch um die Kulturen des Mittelmeerraumes. Das Museum ist sowohl innen wie außen eine Sehenswürdigkeit.

Die Gefängnisinsel

Eine der Touristenattraktionen von Marseille liegt etwas außerhalb der Stadt im Mittelmeer. Das Château d’If, einst Festung, dann Gefängnis, wurde im 16. Jahrhundert auf einer vorgelagerten Insel errichtet. Literarische Berühmtheit erlangte es durch den Roman „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas, dessen Held hier eingekerkert wird. Heute ist die Insel von Möwen besiedelt und mit Touristenbooten erreichbar.


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