Das Turnier und sein Pokal

© DrabikPany
Der Pokal bei der EURO 2008

Am Abend des 10. Juli wird er in die Höhe gehoben und bejubelt. Die Geschichte des Europameisterschaftspokals und seines Namensgebers Henri Delaunay steht dann nicht an erster Stelle, doch sie verrät einiges über die Entwicklung des europäischen Fußballs.

Henri Delaunay war ein französischer Funktionär, der erste Generalsekretär des französischen Fußballverbandes, der erste Generalsekretär der UEFA und einer der Väter der Europameisterschaft, auch wenn er ihre erste Auflage nicht mehr selbst miterleben konnte. Doch zuallererst war auch der am 15. Juni 1883 geborene Delaunay Fußballer. Er spielte für Étoile des Deux Lacs, zu Deutsch: Der Stern der zwei Seen, einen Pariser Klub, der die frühen Jahres des französischen Fußballs mitprägte. Etoile des Deux Lacs war im XVI. Arrondissement angesiedelt und spielte im Park Bois de Boulogne, also unweit des heutigen Parc des Princes. Aus der Lage erklärt sich auch der Name, denn in der Nähe des Platzes lagen zwei kleine Seen.

Neue Verbände und Wettbewerbe

Der Klub gehörte wie viele Vereine der Pionierzeit des französischen Fußballs zur katholischen Kirchengemeinde und damit auch zum katholischen Sport- und Fußballverband. Dessen Meisterschaft konnte Étoile in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sechsmal gewinnen. Einen übergreifenden nationalen Fußballverband gab es bis dahin noch nicht, die Klubs waren stattdessen in gleich fünf verschiedenen Sportverbänden mit unterschiedlicher konfessioneller, politischer und sozialer Ausrichtung organisiert. Ein Ende des Verbandswirrwarrs zeichnete sich mit der Gründung der Fédération Française de Football Association (FFFA, heute ohne Association einfach FFF) im April 1919 ab. Es sollte jedoch noch bis zur Saison 1932/33 dauern, bis in einer landesweiten Liga auf Profibasis ein französischer Meister gekürt werden konnte. Henri Delaunay war der erste Generalsekretär des Verbandes, dessen erster Präsident Jules Rimet hieß, der spätere FIFA-Präsident und Erfinder der Weltmeisterschaften.

Schon vor der Ausrichtung der ersten WM 1930 in Uruguay hatte Delaunay bei der FIFA auch die Idee neuer europäischer Wettbewerbe ins Spiel gebracht – sowohl für Nationalteams als auch für Vereinsmannschaften, also die heutigen UEFA-Pokale und die Europameisterschaft. Doch er fand dafür nicht genügend Unterstützung, was unter anderem auch an der vom DFB und den Verbänden der skandinavischen Länder hochgehaltenen Idee des Amateurismus lag. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Einrichtung eines europäischen Kontinentalverbandes wurden beide Gedanken wieder aufgegriffen. Delaunay wurde bei Gründung der UEFA im Juni 1954 deren erster Generalsekretär und sollte es bis zu seinem Tod am 9. November 1955 bleiben. Die erste Endrunde einer Europameisterschaft, die 1960 als Europapokal der Nationen in Frankreich abgehalten wurde, erlebte Henri Delaunay nicht mehr. Der seit der ersten Austragung verliehene Siegerpokal wurde jedoch nach ihm als Ideengeber des Wettbewerbs benannt.

Relaunch für den Pokal

Der Henri-Delaunay-Pokal trägt noch heute diesen Namen, es handelt sich jedoch nicht mehr um dieselbe Trophäe wie 1960. Zur Europameisterschaft 2008 wurde der Pokal erneuert und dabei vor allem vergrößert, um die Bedeutung des dazugehörigen Wettbewerbs zu unterstreichen. Verglichen mit den neuen Trophäen der europäischen Klubwettbewerbe war die Coupe Henri Delaunay in der Reihe der UEFA-Auszeichnungen nämlich eher unterdimensioniert. Die aktuelle Version ist 60 Zentimeter hoch und wiegt acht Kilo – passende Ausmaße für eine der größten Sportveranstaltungen der Welt. Der ursprüngliche Pokal steht in einer Vitrine in der UEFA-Zentrale in Nyon, die jetzige Version durfte der amtierende Europameister Spanien vier Jahre behalten. Die Trophäe selbst ist und bleibt ein Wanderpokal. Sollte eine Nationalmannschaft fünf Titel insgesamt oder drei Titel in Folge gewinnen, erhält der Verband eine originalgetreue Nachbildung für den Trophäenschrank. Dies könnte Spanien 2016 gelingen, das deutsche Team, das mit bisher drei Titeln – 1972, 1980 und 1996 – Rekordhalter ist, muss sich in jedem Fall noch ein wenig gedulden.


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