Marseille

fotolia/joseph_hilfiger

Die älteste Stadt Frankreichs, die zweitgrößte nach Paris, der wichtigste Hafen des Landes und – nach Meinung vieler – auch Heimat des wichtigsten Fußballklubs: Das ist Marseille. Gegründet wurde die Stadt am Mittelmeer vor mehr als 2.500 Jahren, als sich Griechen aus Kleinasien hier ansiedelten. Bei den Griechen und den später hier herrschenden Römer hieß der Ort Massalia bzw. Massilia. Während der Kreuzzüge des Mittelalters erlangte Marseille Bedeutung als Hafenstadt und sollte sie nie wieder verlieren. Die Kontakte in die weite Welt hatten jedoch auch eine Schattenseite: Die Pest soll im 14. Jahrhundert über Marseille nach Europa gekommen sein. In der Stadt selbst starben bei einem späten Ausbruch im 18. Jahrhundert 50.000 Menschen – die Hälfte der damaligen Bewohner.

Der Handel mit Kaffee, Zucker, Kakao und Gewürzen aus den Kolonien machte Marseille groß. Mit der französischen Besetzung Algeriens 1847 und dem Bau des Suezkanals, der 1869 neue Handelswege eröffnete, wuchs die Bedeutung der Stadt weiter. Im Zweiten Weltkrieg wurde Marseille von Deutschen und Italienern und später den Alliierten bombardiert. Deutsche Truppen sprengten 1943 große Teile der Altstadt, die als Zentrum des Widerstands galt.

Marseille profitierte vom Aufschwung nach dem Krieg. Mit der Unabhängigkeit Algeriens 1962 siedelten sich viele Algerienfranzosen in der Stadt an. Doch ab den 1970er-Jahren wuchs nicht so sehr die Stadt, als vielmehr ihre Probleme: Kriminalität, Rassismus, Arbeitslosigkeit durch den Niedergang von Schiffbau und Schwerindustrie und Luftverschmutzung durch den Verkehr. Das Bild von Marseille als französische Hauptstadt des Verbrechens, in der Mafiabanden und Korruption herrschen, hat sich in dieser Zeit gefestigt. Eine wenig rühmliche Rolle hat dabei auch der Fußball gespielt: Bernard Tapie, zwischen 1986 und 1994 Präsident und Aktionär des damals sehr erfolgreichen Klubs Olympique Marseille, wurde der Bestechung überführt, OM verlor den Meistertitel 1993 und wurde in die zweite Liga strafversetzt. Es war nicht das einzige Verfahren des Unternehmers und Politikers Tapie, der häufig vor Gericht stand, aber dennoch weiter Karriere machte. Marseille setzt heute auf den Tourismus – im Hafen legen zahlreiche Kreuzfahrtschiffe an – und das Image einer bunten und weltoffenen Stadt. Für EM-Reisende ist die Stadt sicher eines der attraktivsten Ziele. Das deutsche Team kann hier nur ein Spiel austragen: ein Viertelfinale als Gruppenzweiter oder ein Halbfinale als Gruppenerster.

Sehenswert und wissenswert

  • An der Fläche gemessen ist Marseille mit insgesamt 111 Stadtvierteln sogar größer als Paris, alle werdet ihr nicht erkunden wollen, aber der alte Hafen, Keimzelle des ursprünglichen Marseille, gehört allemal dazu. Die Gegend inklusive der Restaurants ist touristisch, aber dennoch sehenswert. Essen müsst ihr dort natürlich eine Bouillabaisse, gegebenenfalls auch mit frisch gekauftem Fisch selbst kochen.
  • Nördlich des alten Hafens zieht sich die Altstadt Le Panier in steilen und verwinkelten Gassen den Hang hinauf. Nach der Zerstörung durch die deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder aufgebaut.
  • Noch etwas weiter nördlich hat vor einigen Jahren das groß angelegte Städtebauprojekt Euroméditerranée begonnen. Wie auch in anderen Hafenstädten wird in Marseille eine neue „Waterfront“ mit Büro- und Wohngebäuden, Geschäften und Lokalen gestaltet. Die Gäste für letztere kommen zum Beispiel von den Kreuzfahrtschiffen, die an den kilometerlangen Kais des neuen Hafens anlegen. Wobei „neu“ in diesem Fall bedeutet: seit 1853. Das mit öffentlichen Geldern finanzierte Projekt Euroméditerranée hat auch Kritik auf sich gezogen, da die alteingesessene Bevölkerung aus den gentrifizierten Vierteln verdrängt worden ist.
  • Vielleicht noch ein Museumsbesuch? Da gibt es zum Beispiel seit 2013, als Marseille Kulturhauptstadt Europas war, das Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée, kurz: MuCEM. Es liegt auf der Verlängerung des alten Hafens direkt am Meer, passenderweise, geht es hier doch um die Kulturen des Mittelmeerraumes, ihre Geschichte und vielfältigen Beziehungen.
  • Und falls ihr euch schon einmal gefragt habt, woher die „Marseillaise“ ihren Namen hat, erklären wir das gern: 1792 schickte die Stadt 500 Freiwillige nach Paris, um dort die Revolutionäre zu unterstützen. Die stimmten beim Einzug in die Stadt dieses Lied an, das allerdings ursprünglich als Kriegslied für die zeitgleich im Rheingebiet gegen Österreich kämpfende Revolutionsarmee geschrieben wurde. 1795 wurde die inzwischen „Marseillaise“ getaufte Melodie offiziell zur französischen Nationalhymne.

[ns]


Zur Startseite Symbol Nach oben Symbol .