Lyon

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In der drittgrößten Stadt Frankreichs nach Paris und Marseille könnte die deutsche Mannschaft bei günstigem Turnierverlauf das Halbfinale bestreiten. Die von den Römern vor mehr als 2.000 Jahren gegründete Stadt liegt am Zusammenfluss von Saône und Rhône, Teile der Stadt befinden sich dadurch auf einer Halbinsel. Die Altstadt ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn nicht gerade eine Fußball-EM stattfindet, lockt Lyon vor allem im Winter Besuch aus aller Welt an. Vom 8. bis 11. Dezember findet nämlich die Fête des Lumières, das Lichterfest, statt, bei dem zahlreiche Gebäude und Plätze Lyons kunstvoll illuminiert werden.

Historisch spielte Lyon als Bischofssitz schon im Mittelalter eine wichtige Rolle, wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Stadt mit dem Aufschwung des Seidenhandels ab dem 16. Jahrhundert. Die Spuren der Seidenweber, französisch canutes, und der später zunehmend automatisierten Textilindustrie sind noch heute in der Stadt sichtbar. Auch eine der bekanntesten französischen Banken, die 1863 gegründete Crédit Lyonnais, hat in der Stadt ihren Ursprung. Das gut erhaltene bzw. schmuck restaurierte Ensemble der Altstadt stammt aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Während des Zweiten Weltkriegs war Lyon von den Deutschen besetzt und zugleich Mittelpunkt des französischen Widerstands. Der Name der Stadt ist mit dem Gestapo-Beamten Klaus Barbie verbunden, der hier zahlreiche Menschen tötete und folterte. Ihm wurde erst in den 1980er-Jahren in Frankreich der Prozess gemacht, Barbie starb 1991 in Lyon im Gefängnis.

Selbst im Gourmetland Frankreich nimmt Lyon eine besondere Stellung ein. Die lokale Küche mit Produkten der Region Rhône-Alpes, die den Alpenraum und die Nähe zum Mittelmeer verbindet, gilt als fein und bodenständig zugleich. Die Lyoner Spezialitäten werden in den Bouchons, den traditionellen Restaurants der Stadt, serviert. Dazu gehören Coq au Vin, der Kartoffelauflauf Gratin dauphinois, Froschschenkel, der Crepe Croquette de Valence und natürlich Lyoner Wurst, die hier allerdings Cervelas heißt. Der vielleicht bekannteste französische Koch und Gastronom Paul Bocuse hat seine Kochkarriere in Lyon begonnen.

Eine weitere französische Berühmtheit wurde in Lyon geboren: Der Schriftsteller und Flieger Antoine de Sainte-Exupéry, dessen Geschichte „Der kleiner Prinz“ auch in Deutschland viel gelesen wird. Nach ihm sind einer der Bahnhöfe der Stadt und passenderweise der Flughafen benannt. Ebenfalls ein bekanntes Gesicht von Lyon ist der Guignol, die französische Version des Kaspers. Historisch kommentierte der Guignol vor allem das Leben der Seidenweber der Stadt, das Puppen- und Marionettenspiel ist in Lyon noch immer verbreitet.

Sehenswert und wissenswert

  • Einen schönen Überblick über Lyon verschafft ihr euch vom Hügel Fourvière, auf den ihr zu Fuß oder per Standseilbahn gelangt. Oben thront die ziemlich wuchtige, viertürmige Basilika Notre-Dame-de-la-Fourvière, bei guter Sicht soll von hier aus sogar der Montblanc zu sehen sein.
  • Eine historische Besonderheit von Lyon sind die sogenannten Traboules, das sind enge Durchgänge, Treppen und Gässchen, die sich parallel zu den Straßen durch Innenhöfe und Häuser ziehen. Sie sind vor allem in den Vierteln St. Jean in der Altstadt und in Croix-Rousse zu finden. In der Vergangenheit dienten sie den Seidenhändlern dazu, ihre Tuchballen trocken durch die Stadt zu befördern. Zugleich waren sie jedoch auch Fluchtweg und Versteck, zuletzt für die Résistance unter der deutschen Besatzung. Auf eigene Faust lassen sich nur noch einige Traboules erkunden, das Tourismusbüro bietet jedoch Führungen an.
  • An Museen herrscht in Lyon wahrlich kein Mangel. Wir legen euch zwei ans Herz, eins für die Vergangenheit, eins für die Gegenwart. Das Centre d’Histoire de la Résistance am rechten Rhône-Ufer beschäftigt sich mit der Geschichte des Widerstands und der Deportation während des Zweiten Weltkrieges. Das Musée des Confluences, übersetzt: Museum der Zusammenflüsse, wurde erst 2014 eröffnet und liegt auf dem südlichen Teil der von den Flüssen umschlossenen Halbinsel, einem ehemaligen Industriegebiet, das städtebaulich allmählich erschlossen wird. Das Museum will aktuelle Entwicklungen der Wissenschaft darstellen, der Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Anthropologie und Ethnologie.

[ns]


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