Lille

fotolia/Brad Pict

Der Norden Frankreichs gilt im übrigen Land als Region, in der es viel zu kalt ist, die Entwicklung im Vergleich zur Hauptstadt und dem Süden rückständig und wo die Menschen einen unverständlichen Dialekt sprechen. Der auch in Deutschland sehr erfolgreiche Kinofilm „Bienvenue chez les Ch’tis“ (Willkommen bei den Sch’tis) hat diesen Vorurteilen ein kleines Denkmal gesetzt und zugleich mit ihnen aufgeräumt. Wie es um die „Ch'tis“, die Nordfranzosen, wirklich bestellt ist, davon könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Im nördlichsten Spielort beginnt für das deutsche Team die Europameisterschaft. Zudem findet hier eine mögliche Achtelfinalbegegnung mit deutscher Beteiligung statt.

Lille hat durch seine Lage eine wechselvolle Geschichte hinter sich und dabei viele Herrscher gesehen: Die Stadt gehörte zur Grafschaft Flandern, zum französischen Königreich, zum Haus Burgund, zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, zu den Spanischen Niederlanden – und schließlich wieder zu Frankreich. Lange war Lille Garnisonsstadt, die im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV angelegte Zitadelle zählt zu den größten Frankreichs. Sie dient heute friedlichen Zwecken wie Joggen und Spaziergehen in den umliegenden Parkanlagen.

Mit modernen Zügen sind Brüssel, London und Paris in weniger als zwei Stunden erreichbar, doch Lille war auch in früheren Jahrhunderten eine günstig gelegene Handelsstadt – davon zeugen die imposanten Bauten der Altstadt wie die Börse oder Handelskammer. Im 19. Jahrhundert wurde Lille zur Industriestadt: Textilgewerbe, Metallindustrie und der Bergbau im Kohlerevier Pas-de-Calais waren die Basis für den Reichtum der Hauptstadt der Region Nord-Pas-de-Calais, die in dieser Zeit stark wuchs. In beiden Weltkriegen war Lille von deutschen Truppen besetzt. Mit dem Rückgang der Bedeutung der Stahl- und Kohleindustrie hat in Lille – ähnlich wie im Ruhrgebiet – in den vergangenen Jahrzehnten ein Strukturwandel eingesetzt. Der Dienstleistungssektor ist für Lille heute bestimmend. Bergbauarbeiter, die unter elenden Bedingungen in einem widrigen Klima arbeiten, gehören jedoch weiter zu den Klischeevorstellungen über den Norden Frankreichs. Der Protagonist in „Willkommen bei den Sch’tis“, der aus der Region Marseille hierher versetzt wird, lernt die Gegend allerdings zu schätzen – regionale Spezialitäten wie Pommes Frites und Frikandeln, Würste ohne Darm, inklusive.

Sehenswert

  • Das Zentrum der Altstadt bildet der Place du Géneral-de-Gaulle, benannt nach dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt und etwas handlicher auch Grand’ Place genannt. Ganz in der Nähe findet sich die Alte Börse, in deren Innenhof wird Schach gespielt, Bücher verkauft und mitunter auch getanzt – Börse auf Französisch. Drumherum gruppieren sich weitere sehenswerte Plätze und historische Gebäude.
  • Wer neben Fußball auch für Kunst- und Kulturgenuss zur EM reist, besucht in Lille zum Beispiel im Musée des Beaux-Arts. Die namensgebenden schönen Künste sind hier in Form der bedeutendsten französischen Gemäldesammlung nach dem Louvre zu finden.
  • Dienstag, Donnerstag und Sonntag empfehlen wir euch vormittags einen Besuch auf dem Markt im Stadtteil Wazemmes auf der Place de Marche. Und wenn ihr schon einmal dort seid, könnt ihr euch in dem zwei Kilometer von der Altstadt entfernten Viertel auch noch länger die Zeit vertreiben.
  • Zum Metropolverbund rund um Lille gehört auch die nordwestlich gelegene Stadt Roubaix, die allen Radsportfans ein Begriff ist. Das zweitwichtigste Radrennen im Land der Tour de France, der Klassiker Paris-Roubaix, hat nämlich hier sein Finish. Auf den historischen Kopfsteinpflasterstraßen des Nordens oder dem, was davon noch übrig ist, geht es alljährlich im April zur Sache. Als das Rennen 1896 zum ersten Mal ausgetragen wurde, gewann übrigens der Deutsche Josef Fischer.

[ns]


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