Lens

fotolia/Philippe GRAILLE

Die Stadt Lens im Norden Frankreichs ist der kleinste Spielort der diesjährigen Europameisterschaft. Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach zerstört, zuletzt in den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Mit einer großflächigen pittoresken Altstadt kann Lens daher nicht aufwarten. Die Stadt in der Region Nord-Pas-de-Calais erlebte ihre wirtschaftliche Blütezeit, als Mitte des 19. Jahrhunderts Kohlevorkommen entdeckt wurden. Lens gewann durch den Steinkohleabbau an Reichtum und wurde damit ein wichtiges militärisches Ziel in beiden Weltkriegen. Die Stadt war sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt, die Verluste in der Bevölkerung waren hoch und ab 1940 wurde die Stadt von den Alliierten bombardiert.

Lens erholte sich jedoch. Bereits zwischen den Weltkriegen war der Wiederaufbau der Stadt vorangetrieben worden, die Kohleindustrie sorgte auch nach 1945 für wirtschaftliches Wachstum. Das umliegende Kohlerevier Pas-de-Calais ist gewissermaßen das französische Ruhrgebiet und musste sich nach Stilllegung des Bergbaus 1986 genau wie die deutsche Region mit dem Strukturwandel beschäftigen: 1992 wurde die Université d’Artois als Wissenschaftsstandort gegründet, und auch die Solarindustrie hat sich in Lens angesiedelt. Pas-de-Calais ist seit 2012 UNESCO-Welterbe.

Die deutsche Nationalmannschaft wird während der Europameisterschaft kein Spiel in Lens bestreiten, und das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn der Name Lens ist verbunden mit den Ausschreitungen während der Weltmeisterschaft 1998 rund um das Spiel Deutschland gegen Jugoslawien, als der französische Polizist Daniel Nivel von deutschen Hooligans schwer verletzt wurde. Die im Jahr 2000 unter Beteiligung von DFB und FIFA gegründete Daniel-Nivel-Stiftung setzt sich mit verschiedenen Projekten gegen Gewalt im Fußball ein.

Sehenswert und wissenswert

  • Das beeindruckendste – und für EM-Gäste interessanteste – Symbol des Strukturwandels ist die Eröffnung des Museums Louvre-Lens 2012. Das Museum, das rund 200 Kunstwerke aus den Sammlungen des Pariser Louvre beherbergt, befindet sich auf dem Gelände einer aufgelassenen Zeche, auf der bis 1980 fast hundert Jahre lang Kohle gefördert wurde. Der Kunstexport in den heute strukturschwachen Norden ist ein Versuch, die Region aufzuwerten und Besucher anzulocken. Weitere Teile der ehemaligen Zeche können ebenfalls besichtigt werden.
  • Das Zentrum der Stadt bildet der Place Jean-Jaurès, wo sich die Hauptgeschäftstraßen kreuzen und im Juni vor dem britischen Duell zwischen England und Wales sicherlich kräftig gefeiert wird. Weniger zu feiern hatten die Anhänger des Racing Club de Lens. Der traditionsreiche Verein – 1998 französischer Meister – ist in den vergangenen Jahren zur Fahrstuhlmannschaft geworden und spielt aktuell in der Ligue 2.

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