Land und Leute

Steilküste in der Normandie. © it
Normadie Steilküste

Wir fangen ganz einfach an: Frankreich ist ein großes Land – von der Fläche, wenn auch nicht von der Bevölkerungszahl her deutlich größer als Deutschland – und hat vielfältige Landschaften zu bieten. Bei der Europameisterschaft lässt sich diese Vielfalt ganz praktisch erleben, wenn es zum Beispiel vom Gruppenspiel in Paris zum Achtelfinale in den Norden nach Lille und dann zum nächsten Spiel ganz in den Süden nach Marseille gehen sollte. Nur mal angenommen …

Der Mont-Saint-Michel „UNESCO Kulturerbe der Menschheit“. © it
Le Mont-Saint-Michel

Land, Meer, Stadt

Das Pariser Becken rund um die Hauptstadt bildet auch geologisch ein Zentrum des Landes, das Aquitanische Becken im Südwesten um den Flusslauf der Garonne ist ein weiteres. Doch neben weiten Ebenen besteht Frankreich auch aus verschiedenen Gebirgszügen. Zum einen Mittelgebirge wie die Vogesen im Nordosten und das Zentralmassiv im Südosten, aber auch Hochgebirge wie die Westalpen mit dem Montblanc und die Pyrenäen im Südwesten an der Grenze zu Spanien. Und als wäre das nicht genug, hat Frankreich zudem gleich drei verschiedene Küsten: Nordsee, Atlantik und Mittelmeer. Mit Korsika ist eine der 13 Regionen in Europa eine Insel für sich. Hinzu kommen noch die Überseegebiete in verschiedenen Teilen der Welt, unter anderem Réunion, Martinique und Französisch-Guyana.

Sehr viel Landschaft also, dennoch leben 78 Prozent der Menschen in Städten, das sind anteilig mehr als in Deutschland. Die französischen Kleinstädte und Dörfer, werden entvölkert. Der größte städtische Ballungsraum ist natürlich Paris, es folgen die Großräume Marseille, Lyon und Toulouse. Allesamt übrigens auch EM-Spielorte. Wie im Rest Westeuropas ist die Bevölkerung auch in Frankreich in den vergangenen 60 Jahren vielfältiger geworden, durch Arbeitsmigration und den Zuzug aus ehemaligen Kolonien vor allem in Nordafrika. Fast jede/r sechste Einwohner_in Frankreichs hat heute einen migrantischen Familienhintergrund oder ist selbst eingewandert.

In Frankreich ist die Trennung von Kirche und Staat in der Verfassung verankert, so wird etwa anders als in Deutschland auch keine Kirchensteuer erhoben, sondern die Religionsgemeinschaften werden durch Spenden finanziert. Die katholische Kirche, der sich nach eigenen Angaben etwa die Hälfte der Bevölkerung zurechnet, hat dennoch großen Einfluss und ist beispielsweise Trägerin der in Frankreich wichtigen privaten Schulen. Die fundamentalistischen katholischen Strömungen haben in den letzten Jahren etwa durch Proteste gegen die sogenannte Homo-Ehe auf sich aufmerksam gemacht.

Carcassonne. © it
Blick auf Carcassonne

Auf Französisch, bitte – En français, s’il vous plaît

Gesprochen wird in Frankreich … na klar, vor allem Französisch. Das heutige Französisch ist Amtssprache seit 1539 und in und um Paris als Sprache des Königshofs entstanden. Von dort hat es sich im Zuge der Eroberung der Regionen ausgebreitet, die Französische Revolution 1789 und die Napoleonische Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben die Zentralisierung auch auf dem Gebiet der Sprache verstärkt. Obwohl sie zurückgedrängt und teils verboten wurden, existieren Regionalsprachen jedoch bis heute: im Süden das Okzitanische und Provenzalische mit spanischen und italienischen Einflüssen; im Westen das Bretonische als keltische Sprache und das ebenfalls mit dem Italienischen verwandte Korsisch auf Korsika. Auch Katalanisch, Flämisch und Baskisch werden in verschiedenen Teilen Frankreichs gesprochen.

Das Klischee von den Französinnen und Franzosen, die außer ihrer eigenen keine weitere Sprache beherrschen, ist übrigens genau das: ein Klischee. Englisch wird in Frankreich von etwa genauso vielen jungen Leuten gesprochen wie in Deutschland, die zweithäufigste Fremdsprache ist Spanisch. Mit Deutsch dürftet ihr in Elsass-Lothringen noch gut zurechtkommen, ansonsten schadet es sicher nicht, wenn ihr jetzt schon bonjour, merci und au revoir übt.
[ns]


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